Make Love und das weibliche Unten

Ich weiß ja. Eigentlich gehört es sich ja nicht. Und ja. Auch für mich bleibt es mein süßes Geheimnis. Aber als ich diese beiden Filzobjekte in Ann-Marlene Hennings Liebespraxis in HH-Eppendorf sah, konnte ich nicht anders. Sie haben mich so zum Schmunzeln gebracht und auf eine Art entzückt, dass ich sie fotografieren und posten musste.

Hätten unsere Kinder diese Art Filz-Aufgabe bekommen, wären sie vielleicht doch länger an der Waldorfschule geblieben. Dort hatte ich häufiger den Eindruck, das Thema Sexualität wäre unter den Engelflügeln vergraben worden. Psst. Darüber spricht man nicht. Psst. Geflirtet wird nur außerhalb des Schulgeländes. Dabei treffen auch dort Menschen aus Fleisch und Blut aufeinander. Männer und Frauen mit natürlichen Trieben. Paare, die es schaffen. Paare, die scheitern. Paare, die üben.

Ann-Marlene Henning macht das Thema salonfähig. Aufklärung für Jugendliche. Impulse für die alltägliche Liebespraxis. Wissenschaftlich und menschelnd. Wir wissen alle, dass das Miteinander von Frau und Mann immer noch von alten Denkstrukturen überschattet ist. Und dass es für beide Seiten eine Herausforderung ist, aufeinander zuzugehen. Viele Frauen fühlen sich immer noch gekränkt, zurückgewiesen und nicht gesehen. Die Männer verteidigen ihr Revier, werden allerdings zunehmend unsicher, welche Rolle sie haben, wenn die Frauen alles alleine machen wollen.

Im Gespräch mit Ann-Marlene hat mich vor allem berührt, dass das weibliche Unten immer noch so tabuisiert wird. Selbst in den allgemeinen Sexologen-Praxen oder Aufklärungsfilmen. Und ich habe mich gefragt, was wir da energetisch an Informationen bekommen, die wir aufgreifen und als wahr abkaufen. Gibt es doch eine Verbindung, warum Frauen immer mehr zum Kaiserschnitt tendieren. Dass Frauen unter jeder Form von PMS-Symptomen leiden. Dass viele mit ihrer Monatsblutung hadern, kämpfen, ringen. Nichts davon ist allgemein gültig. Aber es klingt auch in meiner Arbeit an.

Mir ist es wichtig, bewusst zu machen, dass wir, egal was auf der Welt los ist und in wievielen Kulturen das weibliche Geschlecht gewaltsam unterdrückt wird, uns unsere Würde bewahren. Dass wir mit unserem Unten geistig und körperlich in guter Verbindung stehen. Weil es ein Teil von uns ist, aus dem wir Freude und neue Ideen schöpfen können. Jede in ihrem Tempo. Jede auf ihre Art und Weise.

Gestern lernte ich dazu eine für mich neue Definition von Feminismus kennen, für die ich gerne gehen möchte: „Die Vision des Feminismus ist nicht eine ‚weibliche Zukunft‘. Es ist eine menschliche Zukunft. Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse, ohne Männerbündelei und Weiblichkeitswahn.“
– Johanna Dohnal – 2004

 

 

 


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