Was ist sonst noch möglich?

Ich weiß nicht mehr, wann es anfing. Als die Kinder 2 und 3,5 Jahre waren, sind wir noch in die Karibik geflogen. Damals hatte ich wohl den Gorillamutterinstinkt, so dass ich nur die Kids im Blick hatte und keine Zeit für eigene Ängste.

Irgendwann muss da ein Knopf umgeschaltet worden sein. Ich bekam immer mehr Panik in ein Flugzeug zu steigen. Vielleicht ein bis zwei ruckelige Landungen und einmal Bauchweh. Sonst war eigentlich nix. Aber viele Informationen. Von alkoholisierten und überarbeiteten Piloten. Von Einsparungen hier und da. Von Missmanagement. Das letzte war dann das German Wings Unglück. Da war’s ganz vorbei.

Ich. Irgendwo hinfliegen? Niemals.

Die Kinder sind mittlerweile Teenager und pfeifen auf ständiges Controlling. Da ich mit zwei international arbeitenden Firmen arbeite und kommuniziere, verstärkt sich in den letzten Monaten mein Fernweh und Freiheitsdrang. Nicht nur mit meinem Öle-Koffer und Behandlungsliege in Hamburg unterwegs sein. Sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus. In andere Welten gelangt man in dieser Realität nun mal schneller mit diesen schwebenden Großraumwagons.

Da fügt es sich gut, dass ich seit meiner wingwave® Coach Ausbildung Barbara Kuster kenne, die nicht nur Mimikanalystin und Profilerin ist sondern schon vielen Leuten aus der Misere herausgeholfen hat. Wir treffen uns zwei Mal vor dem Abflug. Mithilfe eines Myostatik-Tests testen wir den ganzen Ablauf durch. Wo sind meine Stress-Auslöser? Von der Buchung des Fluges, über Terminal, Check-In, Personenkontrolle, Start, Flughöhe bis hin zur Landung. Öffnen sich Daumen und Zeigefinger trotz Gegenhaltens, ist dort Stress gespeichert. Bleiben sie stabil, ist alles okay. Immer wieder führt sie mich gedanklich zu meinem eigentlichen Ziel. Was mich erwarten würde, wenn ich aussteige und ankomme. Auf der anderen Seite. Wie es dort riechen und was ich dort erleben würde, welche Menschen ich treffen und welche Plätze ich entdecken würde. Und wie ich mich am Ende fühlen würde, sorgenfrei in den Flieger zu steigen.

Am Montag morgen treffen wir uns um 6.00 Uhr am Hamburger Flughafen. Es ist voll. Ich tue einfach so, als wäre es auch für mich Büroalltag. Ich beobachte attraktive Anzugträger versunken im Handy, adrette Business-Ladies in High Heels. Statt Beautycase Kroko-Laptap-Taschen. Was sonst? Zielflughafen Basel. Ich mittendrin in der 19. Reihe Mitte. Ich habe Glück – Links neben mir bleibt frei. Rechts Barbara. Ich sitze da und bin … überraschend gelassen.

Nachdem wir die hartnäckige Wolkendecke über Hamburg durchfliegen, eröffnet sich dieser Blick, von dem ich in den letzten Monaten geträumt hatte. Welcher Raum und welche Schönheit eröffnet sich da. Ein hellblauer Himmel, Sonne und die Wattebäusche unter uns. Barbara neben mir tappt rechts und links auf meinen Knien und ist da. Ich bin beglückt und dankbar. Für mich, dass ich es endlich tue und für Barbara, die das Ding mit mir durchzieht. Ich bin oben. Ganz weit oben. Und die Anschnallzeichen erlöschen. Jipppieh!

Die Landung in Basel ist sanft. Auch hier fühle ich mich getragen. Von Vertrauen. Der Aufenthalt in Freiburg wird uns durch Regen vermiest. Die meiste Zeit verbringen wir am Flughafen an einer kleinen feinen Bar. Wir schauen hinunter in die Halle – hinaus durch eine riesige Glasfront in die Stadt. Dahinter die Berge. Geschäftige Menschen kommen und gehen.

Wenn ich mir vorstelle, dass mindestens 95% unserer missinterpretierten Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen gar nicht uns gehören sondern wir sie gegenseitig aufschnappen und verwurschteln mit Erfahrungen, dann ist es doch klar, dass wir uns anstecken mit solchen Ängsten. An Flughäfen und in den Flugzeugen, wo wir eng nebeneinander sitzen und glauben, wir wären uns alle fremd.

Wie wäre es, die Dinge mehr pragmatisch und weniger dramatisch zu sehen. Und was ist sonst noch möglich, wenn man bereit ist, endlich auszusteigen, aus Ängsten, die einen so limitiert haben und Tools findet, sich selbst rauszuhelfen?

Wingwave ist eine komplexe und gleichzeitig einfache Methode, um Erlebnisse aufzuspüren, die rein analytisch nichts mit dem Thema zu tun haben. Der Körper ist auch hier der Seismograph für den Auslöser, den sich das Gehirn gemerkt und als Gefahrpunkt implantiert hat. So ist es für mich auch wieder die Bestätigung, was der Körper alles erinnert, von dem wir glauben, wir hätten es schon lange verarbeitet.

Danke Barbara Kuster für dieses kleine Wunder. Meine nächste Station wird Wien sein. Und dann werde ich ganz allein im Flieger sitzen. Mit Lavendelöl an den Schläfen, tappenden Händen und der Frage: was ist sonst noch möglich…?!

 

 


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